Begründer der Stilrichtung: Miyagi Chojun
Hervorgegangen aus: Naha-te

Goju-Ryu
Diese Stilrichtung ist eine der vier großen japanischen Karate-Systeme mit okinawanischem Ursprung, aus dem Naha-te entwickelt. Ursprünglich teilte sich das Naha-te, aus welchem das Goju-Ryu entsprang, in zwei Richtungen: Ason und Waichinzan. Die Ason-Linie erlosch mit ihrem letzten Meister Tomigusuku. Die Linie Waichinzan vererbte sich über Meister Higashionna und Meister Miyagi ins heutige Goju-Ryu weiter. Eine der 4 großen japanischen Karate-Stilrichtungen. Ihr scheinbar paradoxer Name (Go = stark, männlich; Ju = weich, sanft, weiblich) weist auf ihre Ursprünge hin, dem sanften chinesischen Chuan Fa (Kung Fu) und dem harten, starken Okinawa-Te. Begründer des Stils war Higaonna Kanryo aus Okinawa, der „Heilige des Faustschlags“. Miyagi Chojun (Kyoto), der bei Higaonna lernte, entwickelte die Schule weiter und benannte sie Goju-Ryu, als er sie 1935 in Japan vorstellte. Yamaguchi, die „Katze“, verbreitete den Stil außerhalb Japans. Die Stellungen haben eine Zentrierung der Körpermitte zum Schwerpunkt, die Wege sind kurz. Auf harte Angriffe erfolgt „weiche“ ausweichende Abwehr. (Quelle: Karate – die offiziellen Regeln, Falken-Verlag)

Hanshi Tokio Funasako
kva-senseiTokio Funasako wurde am 04. September 1944 in Kagoshima geboren. Der Name Tokio steht in keinem Zusammenhang mit der Stadt gleichen Namens, sondern bedeutet “Held der Zeit”. Bereits 1956 begann er in Ijiyuin bei Tamotsu Sensei Shorin-Ryu-Karte zu lernen. Im Alter von 16 Jahren wechselte er zu Goju-Ryu und übte in der Stadt Tokyo bei Urakawa Yoshihiro. Bei ihm versäumte er sechs Jahre lang nicht eine Trainingseinheit. In den Jahren 1964, 1965 sowie 1966 gewann er die Stadtmeisterschaften in Tokyo und wurde von Gogen Yamaguchi im Mai 1967 in die japanische Nationalmannschaft aufgenommen. Am 01. Oktober 1967 trafen wieder in Tokyo die jeweils zehn Besten aller Stilrichtungen in einer Art Allkategorie aufeinander; Tokio Funasako war einer der drei Sieger. Zur selben Zeit reiste Yoshio Himi durch Deutschland, um Kontakte mit ansässigen Karatevereinen zu knüpfen und Informationen über schön gelegene Regionen zu sammeln.

Am 06. Mai 1968 machte sich Funasako Hanshi (damals 3. Dan) auf den Weg nach Deutschland. Seine Reise führte ihn mit dem Schiff von Yokohama nach Nahotoka (Russland), weiter mit Zug nach Habarosku, mit einem Militärflugzeug nach Moskau und anschließend mit dem Zug nach Deutschland. Am 13. Mai traf er in Heilbronn ein, hier sollte er im Karate-Verein als Karatelehrer arbeiten. “Mindestens zwei Jahre mußt du durchhalten”, hatte ihm Urakawa Sensei befohlen. Allerdings gefiel es Tokio Funasako in Deutschland und auf Wunsch seiner Schüler blieb er länger. Nach Schwierigkeiten mit der Ausländerbehörde erhielt er zwei Jahre später dann doch eine erneute Aufenthaltserlaubnis und seine Aufbauarbeit konnte fortfahren. Als er in Heilbronn ankam, erwarteten ihn dort nur wenige Schüler. Sein effektives Training gefiel den Deutschen und rasch wurden es mehr. Bis heute hat er 30000 Karatekas trainiert und die Gründung von mehreren Dojos initiiert. Zuerst unterrichtete er nur in Heilbronn, ab 1969 ebenfalls in Mosbach und ab 1970 auch in Walldürn. 1971 kam Eppingen und Kraichtal hinzu, 1977 folgte Bruchsal. Im Jahr 1996 verlegte er den Trainingsort Bruchsal in das näher bei seinem damaligen Wohnort Mosbach gelegene Östringen.

Mit Kyoshi Ogawa und Toshio Koda hat Tokio Funasako am 19. Mai 1973 den Goju Kai Karate Verband Deutschland (GKD) aus der Taufe gehoben. Nach einem Turnier 1976 in Hamburg fanden sich die Vertreter der drei Verbände DKB, Goju Kai Karate Verband Deutschland (GKD) und Wado-Kai an dem symbolträchtigen Tag der Deutschen Einheit zusammen und gründeten formell den Deutschen Karate Verband (DKV). Im Jahr 1996 schlossen sich ca. 30 Vereine und Schulen unter Tokio Funasako zum “International Goju-Kan Karate-Do Renmei e.V.“ (IGKR) zusammen. Die Gründung des deutsch-japanischen Kulturvereins “Yamato Kai e.V.“ folgte 2002. Seit 1973 ist Funasako Hanshi als Landeskampfrichter (KVBW) und seit 1981 als Bundeskampfrichter (DKV) mit A-Lizenz aktiv.

Im Jahr 1995 flog er nach Japan, um bei Uehara Yukinori den 7. Dan zu erwerben, der 8. Dan wurde ihm 2001 vom DKV-Präsidium verliehen. Funasako Hanshi lehrt in seinem heilbronner Dojo auch Kendo (Jigen Ryu). In dieser Kampfkunst trägt er den 3. Dan. Am Ende des gelungenen Festaktes wurde am Samstag 25.09.2004 vor ca. 400 Zuschauern durch Großmeister Osamu Hirano (8. Dan Japan) überraschend der Rote Gürtel an Tokio Funasako überreicht und ist damit berechtigt diesen zu tragen. Es ist die höchste Auszeichnung aus Japan die im traditionellen Karate vergeben werden kann! Begründet wurde diese durch seine maßgebliche Verbreitung des Goju-Ryu Karate in die Welt und dessen würdige Vertretung, trotz seines dafür noch jungen Alters von 60 Jahren (Stand 2005).

Karate
kva-pruefung
„Der Weg der leeren Hand“, das heißt, der Karateka ist waffenlos, seine Hand ist leer. Das Kara (zu deutsch Leere) bedeutet aber auch, dass sich der Karateka von allen negativen Gedanken und Gefühlen befreien soll, um bei allem, was ihm begegnet, angemessen handeln zu können.

Karate ist eine Kampfkunst, deren Geschichte sich sicher bis ins Okinawa des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt, wo einheimische okinawanische Traditionen (Tōde) mit chinesischen (Shaolin Quanfa) und japanischen Einflüssen (Yawara, Koryu Ju Jutsu, Bujutsu) verschmolzen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand sie ihren Weg nach Japan und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von dort über die ganze Welt verbreitet.

Inhaltlich wird Karate durch waffenlose Techniken charakterisiert, vor allem Schlag-, Stoß-, Tritt- und Blocktechniken sowie Fußfegetechniken. Diese Technikkategorie bildet den Kern des Karatetrainings. Einige wenige Hebel und Würfe werden (nach ausreichender Beherrschung der Grundtechniken) ebenfalls gelehrt, im fortgeschrittenen Training werden auch Würgegriffe und Nervenpunkttechniken geübt. Manchmal wird die Anwendung von Techniken unter Zuhilfenahme von Kobudowaffen geübt, wobei das Waffentraining kein integraler Bestandteil des Karate ist. Jedoch ist die Kenntnis einiger Karatetechniken für das Erlernen von Kobudo hilfreich, da das Kobudo zum Beispiel viele Kampfstellungen beinhaltet, die auch im Karate angewendet werden.

Recht hoher Wert wird meistens auf die körperliche Kondition gelegt, die heutzutage insbesondere Beweglichkeit, Schnellkraft und anaerobe Belastbarkeit zum Ziel hat. Die Abhärtung der Gliedmaßen u. a. mit dem Ziel des Bruchtests (jap. Tameshiwari), also des Zerschlagens von Brettern oder Ziegeln, ist heute weniger populär, wird aber von Einzelnen immer noch betrieben. Aufgrund seiner vielseitigen Anforderungen an Körper und Geist ist Karate ideal als Ausgleich zu den Anforderungen des Alltags: Der Karateka trainiert Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Das macht fit! Mit Entspannungstechniken, Atemübungen und Meditation steigert er seine Konzentrationsfähigkeit.

Das moderne Karate-Training ist häufig eher sportlich orientiert. Das heißt, dass dem Wettkampf eine große Bedeutung zukommt. Diese Orientierung wird häufig kritisiert, da man glaubt, dass dadurch die Vermittlung effektiver Selbstverteidigungstechniken, die durchaus zum Karate gehören, eingeschränkt wird. Man würde in erster Linie Techniken trainieren, die beim sportlichen „Spiel“ um den Sieg Punkte bringen, wobei nur diejenigen Techniken erlaubt sind, die scheinbar leichter zu kontrollieren sind, da jede Technik vor dem Ziel abgestoppt werden muss, um Verletzungen auszuschließen. Techniken, die in einer realen Kampfsituation Verwendung finden würden (Ellenbogenschläge etc.), werden als „unsportlich“ und „schwer kontrollierbar“ eingestuft. Viele Karatemeister hegen die Befürchtung, dass dadurch die Gefahr besteht, dass das Karate verwässert wird, da viele der Karatetechniken von den Trainern kaum oder auch gar nicht mehr gelehrt werden.

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